Rimpfischhorn

Rimpfischhorn
Kuno im Aufstieg zum Rimpfischhorn auf dem Mellichgletscher VS

Vier Uhr Morgenessen und fünf Uhr Abmarsch - so lautete der Frühmorgenfahrplan für die nächsten drei Tage. Nach eher mittelprächtiger Schlaftiefe stand ich nicht ungern auf. Ein kurzer Blick aus dem Fenster zeigte zwar einen sternenübersäten Himmel. Aber einige herumwabernde Bisenwolken waren nicht wegzudiskutieren. Egal, wir packten den mit Ski beladenen Rucksack und traten vor die Hütte. Es galt abzuwarten, wie sich das Wetter entwickeln würde. Bis auf die Quote von ca. 3000 mussten wir die Ski tragen. Wir wussten aber, dass wir das nur heute tun mussten, weil wir die Ski nach der Tour beim Schneeanfang deponieren konnten. Noch immer debattierten wir, ob es heute aufs Strahlhorn oder das Rimpfischorn gehen sollte. Man muss sich erst nach der kleinen Abfahrt auf den Mellichgletscher entscheiden. Dort zweigt der Weg über den Allalinpass vom Rimpfischorn-Aufstieg ab. Einem welschen Alpinisten mit seiner Begleiterin passten die herumstreunenden Nebelbänke überhaupt nicht. In mehr als gebrochenem Deutsch meinte er, der weitere Aufstieg sei unverantwortlich bei dieser "sär schleschten Schischt". Wir hielten das für reichlich übertrieben und brachten unbeirrt die holprige Abfahrt zum Gletscher hinter uns. 

Jetzt hatten wir uns auch entschieden: es sollte das Rimpfischorn werden! Das Strahlhorn war doch deutlich weiter weg und wies einen weiteren Gegenanstieg aus. Sparen wir das also für morgen. Von der Britanniahütte näherten sich drei Seilschaften. Zum Teil übten sie bereits im für sie steilen Gelände, derweil wir gemächlich auf dem flachen Mellichgletscher eine Pause machen konnten. Das Wetter wurde nun immer besser und die Bisenwolken verzogen sich. Was der Welsche mit seiner schlechten Sicht meinte, bleibt Kuno und mir bis heute ein Rätsel. Wir hatten dafür unseren Running Gag für die Tourentage! 

Wir erreichten den Rimpfischsattel problemlos und rüsteten auf Steigeisen und Fels um. Hier muss man die Ski stehen lassen und es wird definitiv alpin. Durchs halb mit Schnee und Eis gefüllte Couloir hoch ging es tipp-topp, und beim Übergang in die Felsen entschlossen wir uns fürs Abschnallen der Steigeisen. Von hier ist der weitere Anstieg ein interessanter Felsgrat ohne lose Blöcke. Genussvoll erreichten wir so den Gipfel. Immer höher stiegen um uns herum die Wolken und drohten uns einzulullen. Aber bedrohlich war das eigentlich nicht. Viel mehr gab es der Szenerie eine willkommene Dramatik und schöne Fotos obendrein. 

Leider muss man von so einem glanzvollen Gipfel auch wieder runter, was im Falle des Rimpfischorns seine Zeit dauert. Abklettern ist nicht viel schneller als hochklettern. Bloss weniger anstrengend. Als wir beim Skidepot zurück waren, hatten die Wolken den Wetterkampf gegen die Sonne nun endlich gewonnen. Es herrschte zwar immer noch Sicht fürs Skifahren. Aber Matterhorn & Co. hatten sich endgültig versteckt. Wir wählten eine Abfahrtsvariante etwas weiter westlich, was sich skifahrerisch lohnen sollte. Viel zu rasch waren wir am Fuss des Gegenanstiegs, wo es gute 150 Höhenmeter auf einer schlechten Spur zu überwinden galt. Bei einer letzten Rast fing es nun sogar an zu graupeln. Doch die Sicht war immer noch O.K. und im Notfall hätte ich die "Track-Back" Funktion meiner GPS-Uhr gehabt. 

Beim Schneeende liessen wir wie am Morgen geplant unsere Ski und weiteres Material in einem Depot liegen, sodass wir mit leichtem Rucksack die letzten 300 Höhenmeter zur Hütte runterstolpern konnten. Dort trafen wir etwa um halb vier Uhr ein - eigentlich spät gemessen an unserem frühen Aufbruch um 5 Uhr. Aber weil es den ganzen Tag über bisenkühl war und der Schnee sogar eher noch etwas weicher hätte sein dürfen, war diese späte Rückkehr kein Problem. Bis zum Nachtessen blieb reichlich Zeit für einen Schwatz mit dem Tischnachbarn Sämi, welcher sich als alpinistische und unternehmerische Koriphäe entpuppte. Ein Paar aus der Innerschweiz outete sich als Kollegen von Rajah bzw. ihrem Christoph. So gab das einen unterhaltsamen Hüttenabend bei reichlich Trank- und Esssame.

Id2853
Datum30.05.2020
TourRimpfischhorn
Ziel erreichtJa
RouteTäschhütte - Alphubelgletscher - Mellichgletscher - Rimpfischsattel - Rimpfischhorn. Gleicher Weg zurück.
GipfelRimpfischhorn 4199m
BegleiterKuno
GebietWalliser Alpen
TourentypHochtour
HM aufwärts1789
HM Abstieg1789
Distanz km20.02
VerhältnisseGut gefroren über Nacht, Gletscher gut eingeschneit. Felsgrat trocken und gut begehbar.
HüttenTäschhütte 2701m
Feat. Fototbi_2020-05-30.jpg
Tourenideen
Aufstiegszeit05:45:00
Abstiegszeit04:00:00
SchwierigkeitZS
Wetterwechselhaft
MaterialSkihochtour mit Seil, Eismaterial

volle Distanz: 21981 m
Maximale Höhe: 4307 m
Gesamtanstieg: 2316 m
Gesamtabstieg: -2300 m
Gesamtzeit: 09:42:00
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