Klettersteig Fruttstägen und Fulen

Klettersteig Fruttstägen und Fulen
1.11.2016

Es versprach einer der letzten schönen Herbsttage zu werden: Allerheiligen 2016. Entgegen dem Superherbst 2015, wo quasi bis Sylverster kein Schnee fiel, war nach diesem Feiertag ein markanter Wetterwechsel angekündigt, der uns einen "normal-trüben" November bescheren sollte. Davon ahnten wir am Halloween-Tag aber noch nichts. Also vereinbarten die Marbachs und die Petermanns eine Wandertour "avec" für diesen arbeitsfreien Tag. Das "avec" bezog sich auf die mitzuführenden Materialien, in unserem Fall in Form eines Klettersteigsets. Dieses wollten wir in den Fruttstägen einsetzen, einem neuerdings mit allerlei Eisen ausgerüsteten Wegabschnitt vom Biel in die Rossstocklücke. Den definitiven Plan des Tages fassten wir erst bei Dani und Daniela zu Hause in Udligenswil. Wir beschlossen mit zwei Autos ins Urnerland zu fahren und eines davon auf dem Parkplatz der Eggbergenbahn zu deponieren. Mit dem zweiten fahrbaren Untersatz gelangen wir nach Bürglen zur Talstation der Biel-Chinzig Bahn. Aus einer der Kabinen dieser Bahn war am Vortag ein Mann gestürzt, als sich diese vor der Zwischenstation befand. Er hatte riesiges Glück und überlebte diesen Vorfall, ohne dass jemand sagen konnte, wie das passiert sein konnte. 

Es war fast schon zehn Uhr, als wir uns Richtung Chinzig auf den Weg machten. Wir waren nicht die Einzigen mit der Absicht, diesen neuen Klettersteig zu begehen. Dies ersparte uns das Werweissen über den richtigen Zustieg. Trotz der "Konkurrenz" für unser Vorhaben mussten wir weder am Einstieg noch im Klettersteig selber warten und wurden im Gegenzug auch nicht von hinten gehetzt. So konnten wir gemütlich die super gemachten Eisenleitern, Seilbrücken, Drahtseile und Quergänge begehen. Als Höhepunkt muss das Sitzbänkli bezeichnet werden, das ein Sponsor mitten in der senkrechten Felswand hat anbringen lassen. Niemand lässt sich da ein cooles Foto auf diesem wahrhaftig ungewöhnlichen Pausenplatz entgehen. 

Wir machten dann aber trotzdem erst oberhalb des Klettersteiges Pause, schliesslich bietet das Bänkli nur maximal 2 Personen Platz. Und die Gefahr, dass der Pauseapfel oder ein Trinkbecher den Gesezten der Schwerkraft folgen würde, liess uns unsere Habseligkeiten erst auf sicherer Wiese auspacken. Die 15 Grad Sonnenwärme, trockenes Gras und eine wunderbare Sicht zu den nahen Schächentaler Bergriesen, von denen schon so viele bei anderer Gelegenheit Besuch von uns erhalten hatten, machten das Spätherbstbergglück komplett. Nur schwerlich entschlossen wir uns zum Weitergehen, denn wir hatten noch vor, den Fulen zu besteigen und dann zu den Eggbergen weiter zu wandern. Ersteres wurde dann bald in Angriff genommen, wobei das gar nicht so "Ohne" war. Die Nordflanke, in welcher der Auf- und Abstiegsweg verläuft, hatte vor zehn Tagen schon etwas Schnee abgekriegt. Dies führte zu heiklem und Vorsicht erheischendem Schrittsetzen. Im Aufstieg sind solche Passagen ja noch besser zu bezwingen. Der Abstieg kostete unsere Helzallerliebsten dann aber doch ein paar Nerven. Aber es ging alles gut. Eingedenk der prächtigen Rundsicht vom Gipfel hat sich der Abstecher sicher gelohnt. 

Unterhalb des Rossstockes querten wir später zum Spilauer Grätli hinüber. Dieses bildet sogar einen kleinen Gipfel, den wir uns nicht nehmen liessen und abermals die herbstmässige Superfernsicht genossen. Für den Weiterweg boten sich drei Varianten an: entweder zurück zu den Fruttstägen und ins Biel runter, oder dann weglos unterhalb des Hagelstöcklis auf die Selezerflue oder drittens sicherer und auf Wegspuren zum Spilauersee runter. Wir wählten die letzte Möglichkeit, was insbesondere Felice bald nicht mehr so drollig fand. Es drohte nämlich ein 300-höhenmetriger Gegenanstieg und Umweg zur Schön Chulm um zurück ins Schächental zu gelangen. Zu recht meinte die beste Ehefrau von allen, dass diese Männerplanungen nicht immer von Weitsicht geprägt seien. Immerhin konnte ich die Situation dahingehend entschärfen, dass wenigstens Felicitas und mir der Umweg erspart blieb. Wir konnten nämlich in die nahegelegene Gitschen absteigen. Derweil stellten sich Dani und Daniela zur Verfügung, bewaffnet mit meinem Autoschlüssel, beide Blechkisten nach Sisikon zu bringen. Dorthin hatten Felicitas und ich vor, uns durchzuschlagen. Das gelang dank des Bähnleins nach Chäppeliberg und eines charmanten jungen Willisauers bestens und schnellstens, sodass wir fast eine Stunde in Sisikon auf die beiden D's im Restaurant warten konnten. 

Epilog der Geschichte: der Umweg für Petermanns erwies sich als nahrhafter als gedacht, mussten sich die beiden doch arg sputen, um die vermeintlich letzte Fahrt um 17 Uhr mit der Ruogig-Seilbahn zu erwischen. Ich erreichte dank all dieser Dispositionen noch rechtzeitig meine dreistündige Orchesterprobe in Luzern, an welcher ich erst am Schluss vor Müdigkeit fast vom Stuhl fiel. 

Id2663
Datum01.11.2016
TourKlettersteig Fruttstägen und Fulen
Ziel erreichtJa
RouteBiel-Chinzig - Stelli - Fruttstägen - Rossstocklücke - Fulen - Spilauer Grätli - Spilauer See - Gitschen (Chäppeliberg)
GipfelFulen 2491m
BegleiterDani, Daniela, Felice
GebietZentralschweiz
TourentypKlettersteig
HM aufwärts792
HM Abstieg800
Distanz km10.52
VerhältnisseGrundsätzlich trocken. Im Nordhang des Fulen lag bereits Schnee. Heikel besonders im Abstieg.
Hütten
Feat. Foto2016_11_01_Fruttstaegen_Dani_Pics_07-001.jpg
TourenideenGeisspfad mit Leiter am Ruogig durch die Selezerflue
Aufstiegszeit03:15:00
Abstiegszeit01:30:00
SchwierigkeitT4
Wetterschön - wolkenlos
MaterialKlettersteigmaterial

volle Distanz: 9403 m
Maximale Höhe: 2485 m
Gesamtanstieg: 972 m
Gesamtabstieg: -858 m
Gesamtzeit: 06:32:29
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