Grossglockner

Grossglockner

Wenn das gestern der skifahrerische Leckerbissen war, der uns begeisterte, so folgte heute der bergsteigerische. Den Grossglockner hatten wir uns für diesen Freitag aufgespart, und das erwies sich als goldrichtige Wahl. Die reservierten Hüttenübernachtungen hatten wir etwas umgemodelt und konnten so eine Nacht mehr als ursprünglich geplant im Lucknerhaus bleiben. Dafür gab es dann nur eine Nacht in der Stüdlhütte und einen Aufstieg über 1900 Höhenmeter auf den Glockner. Bei den tadellosen Verhältnissen und unserer guten Form war das aber machbar. Weil auch die Küche des Lucknerhauses mitspielte, gab es sogar richtiges Frühstück um 5 Uhr 30, sodass wir um sechs Uhr den Aufstieg beginnen konnten. Bei diesem hat man das Ziel ab dem Start immer vor Augen. Das Steigen ist mal steiler, mal flacher, aber bis zum Beginn des Grates, der zur Adlersruhe führt, gibt es eigentlich keine Schwierigkeiten. Die Sonne begrüsst einem schon zeitig, sodass man flott höher kommt. Dani regte sich bloss über Schneeschuhläufer auf, die am Vortag die Aufstiegsspur für ihren Abstieg missbraucht hatten und diese gründlich zerstörten. Wenn er die getroffen hätte, hätte er mit seiner Mängelrüge nicht hinter dem Berg gehalten! 

Am Beginn des Klettersteiggrates, der hinauf zur Adlersruhe bzw. Erzherzog Johannhütte führt, beschlossen wir, die Skier nicht liegenzulassen, sondern auf den Rucksack zu schnallen, um später den grossen Gipfelhang befahren zu können. Das war eine gute Entscheidung, fallen doch die heutigen Leichtbauskis beim Tragen nicht mehr so ins Gewicht. Und die Abfahrt über den Hang war allemal kurzweiliger als das Zurückklettern über den Grat. Doch vorerst galt es natürlich noch die Skier beim Glocknerleitl zu deponieren, dort eine kurze Pause zu machen, uns anzuseilen und steigeisenbewehrt den Gipfelanstieg hinter uns zu bringen. Der stangengesicherte Grat erwies sich dabei als zahmer als in der Führerliteratur beschrieben. Es herrschten aber auch beste Verhältnisse. Keine Vereisung, guter Trittschnee und natürlich das prächtige Wetter machten das Ganze zu einem Vergnügen. Auch waren heute für Glockner-Verhältnisse erstaunlich wenig Leute am Berg, sodass keine haarsträubenden Kreuzungsmanöver oder Seilmakramées zu beklagen waren. 

Nach sechs Stunden Aufstieg war das Gipfelkreuz erreicht, und für die nächste halbe Stunde hatten wir den kleinen Platz hier oben auf dem höchsten Österreicher Gipfel ganz für uns allein. Abermals bewunderten wir das weite Gipfelrund. Als später ein Tiroler auf dem Gipfel eintraf, der den Glockner heute zum 140.sten Mal bestiegen hatte, hofften wir auf etwas Aufklärungsunterricht bezüglich all dieser Berge. Doch offenbar hat er seine Besteigungen nie zum Zwecke der Högerbestimmung gemacht, denn gross weiterhelfen konnte er uns nicht. Wir genossen die Gipfelstunde aber auch so und behaupteten einfach, dies sei jener oder eben ein anderer Berg. Gute Stimmung war ohnehin garantiert. 

Den Gratabstieg brachten wir problemlos hinter uns, sodass jetzt als letztes Schmankerl der steile Glocknerhang unterhalb des Leitls blieb. Die Einfahrt in den Hang ist nur etwas für Männer oder Frauen ohne Nerven. Da wir diese auf dem Gipfel oben vergessen hatten, gelang das ohne zitternde Knie. Der Schnee im gut 40° steilen Hang war leider nur von mässiger Qualität, aber immerhin weich. Erst weiter unten konnten wir noch schöne Schlangenlinien in das Weiss legen, bevor wir hochzufrieden bei der Stüdlhütte anlangten. Sofort entledigten wir uns von allem Material, das es bei Sonnenschein auf einer prächtigen Hüttenterrasse nicht braucht, und bestellten Knödlsuppe und Weissbier. Schliesslich war man in Tirol und hatte soeben das Dach des Landes bestiegen! So genossen wir einen wunderbaren Nachmittag und Abend, wobei das hervorragende Essen der Stüdlhütte in Fünfsternequalität eine besondere Erwähnung verdient. Man schaue nur das Foto der Käseplatte an!

Id2639
Datum18.03.2016
TourGrossglockner
Ziel erreichtJa
RouteLucknerhaus - Luckneralm - Viehböden - Ködnitzkees - Adlersruhe (Erzherzog Johann Hütte) - Glocknerleitl - Kleinglockner - Grossglockner. Abstieg über Glocknerleitl und direkt in den Südhang darunter. Abfahrt zur Stüdlhütte über Ködnitzkees.
GipfelGrossglockner 3798m; Kleinglockner 3770m
BegleiterDani, Kuno
GebietHohe Tauern Osttirol
TourentypSkitour
HM aufwärts1933
HM Abstieg1032
Distanz km17.24
VerhältnisseAusgezeichnete V. Aufstieg leicht gefrorene Spur, Zu-Fuss-Teile mit Trittschnee ohne Vereisungen. Steigeisen hilfreich. Abfahrt wärmgeprägter Pulver, aber O.K.
HüttenErzherzog Johann Hütte 3454m; Lucknerhaus 1920m; Stüdlhütte 2802m
Feat. FotoP3180390.JPG
TourenideenGrossglockner von der Heiligenblutseite
Aufstiegszeit06:00:00
Abstiegszeit01:30:00
SchwierigkeitZS
Wetterschön - wolkenlos
MaterialSkihochtour mit Seil, Eismaterial

volle Distanz: 13974 m
Maximale Höhe: 3785 m
Gesamtanstieg: 2021 m
Gesamtabstieg: -1120 m
Gesamtzeit: 08:05:25
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