Grande Aiguille Rousse
Chregu, Jürg und Didi in der Abfahrt von der Grande Aiguille Rousse

Grande Aiguille Rousse

Ob ich am heutigen Morgen überhaupt wieder auf Touren würde gehen können, war am Vorabend nicht klar: eine kirschengrosse Beule hatte sich auf meiner Kniescheibe installiert, die zwar nicht sonderlich schmerzte, aber komisch anzuschauen war. Woher diese Wasserbeule kam und was sie bedeutete, war mir alles andere als klar. Ich beschloss, dies einfach mal zu beobachten und die Schmerzen entscheiden zu lassen. Diese waren durchaus erträglich, was in mir den Entschluss reifen liess, mit Hilfe eines abschwellend wirkendes Medis die Tour anzutreten. Ich wollte es allerdings gemächlich angehen. Deshalb entstand folgende etwas verwirrende Situation: Der auf der Skiroutenkarte eingezeichnete Aufstieg auf die Aiguille Rousse führt über zwei Pässe um die Petite Aiguille herum auf den Sattel zwischen kleiner und grosser rothaariger Nadel. Der gleiche Pass kann aber auch auf direktem Weg über die Südflanke erreicht werden, was kürzer und zumindest auf der Karte weniger steil scheint. Armin & Co. plädierten natürlich für den direkten Weg, derweil ich zwecks Schonung des Knies aussenrum laufen wollte. Zuerst hatte Jürg zugesagt, mich dabei zu begleiten. Aber plötzlich befanden sich alle in Minus Gefolge. Das merkte ich und bog deshalb weiter oben auch auf die Südroute ein. Weil mir aber Dani inzwischen Gesellschaft leisten wollte, ich dies aber von meinem Standpunkt aus übersah, gab es abermals verstreute Individuen auf den Hängen. Jetzt lag es an mir, Dani zu holen, was mit einer kleinen Abfahrt auch gelang. Dieses Hin und Her kostete Zeit und Nerven. Da aber nach 2½ Stunden alle via Südroute auf dem Gipfel vereinigt waren, beruhigte sich die Aufregung rasch wieder. Übrigens war der Südaufstieg kurz vor dem Sattel wacker steil und für den Gipfelgang waren abermals Steigeisen gefragt. 

Zurück beim Skidepot galt es, sich für eine Abfahrtsvariante zu entscheiden. In Frage kamen der Südhang, über den wir eben aufgestiegen waren, sowie der Glacier des Sources de l'Isère, welcher in weitem Bogen und über schöne Gletscherhänge nach Val d'Isère hinunter führt. Da der Schnee für diese Fahrt durchaus passabel erschien und es auf der Südseite noch nicht richtig getaut hatte, entschieden wir uns für die grosse Runde mit dem Abstecher in die berühmte Skidestination. Das Hinunterschwingen über die weiten Flächen lohnte sich trotz unterschiedlicher Schneequalität sehr. Man fand immer wieder gute Hänge zwischen den stark windbearbeiteten. Das Tüpfelchen auf dem (Sk)i wäre die Fahrt durch die Schlucht gewesen. Dort unten lag aber definitiv zu wenig Schnee und zu viel Eis. Wir mussten auf den Wanderweg ausweichen. Auch heute fehlte es wieder trotz Prachtwetter an warmen, windgeschützten Plätzchen. Deshalb machten wir unseren Lunch-Stop etwas unromantisch auf dem Wendeplatz vor der Seilbahn. Jürg und ich wichen auf die Campingstühle einer Studentin aus, welche am Ende der Abfahrt Opfer für ihre Umfrage unter Besuchern des Nationalparks suchte. So konnte man zwar bequem sitzen, aber der Fragebogen war mit acht Seiten ätzend lang. Nach fünf Seiten gaben wir auf und bestiegen die Seilbahn Richtung Col de l'Iséran. Die Wissenschaft kommt sicher auch mit fünf Seiten beantworteter Fragen einen Riesenschritt weiter!

Trotz der knapp 40 Euro, die jeder für die Benützung der Remontées Mecaniques hinblättern musste, schätzten wir die Aufstiegshilfen. Sie brachten uns nochmals bis auf 3200 Meter Höhe. Es fehlte nur ein kleiner Aufstieg zum Col de l'Ouille Noire, bevor die abermals lange Abfahrt zurück nach Bonneval-sur-Arc angetreten werden konnte. Armin und Dani liessen es sich nicht nehmen, den Gipfel der Ouille Noire mitzunehmen. Er lag zwar nahe, aber wir anderen vier befanden seinen Besuch des Schnees wegen nicht als lohnenswert. Den schöneren Gipfel des Tages, die Grande Aiguille Rousse, hatten wir ja bereits bestiegen.  Auch diese Abfahrt bot ganz unterschiedlichen Schnee: Diesmal waren feuchter Sulz bis Betonpulver im Angebot. 

Immerhin lief es untenraus durchs flache Tal der l'Arc via den Weiler l'Ecot tadellos. Das Gefälle war skifahrerisch genügend und Schnee überall noch vorhanden. Das verkürzte den Weg zum Hotel du Glacier des Evettes, welches wir für unsere letzte Nacht in der Haute Maurienne gebucht hatten. Schnell befand sich die Truppe auf der Terrasse des Hotels bei - ja was wohl - Bier und plagierte über Erlebnisse des Tages und andere Heldentaten. 

Id2789
Datum29.03.2019
TourGrande Aiguille Rousse
Ziel erreichtJa
RouteRefuge du Carro - Grande Aiguille Rousse über die Südseite - Glacier des Sources de l'Isère - Refuge du Prariond - Gorges du Malpasset - le Fornet - mit Liften via Col de l'Iseran bis Pointe du Montet - Col de l'Ouille Noire - le Montet - l'Ecot - Bonneval-sur-Arc
GipfelGrande Aiguille Rousse 3482m
BegleiterMinu, Dani, Didi, Jürg, Kuno
GebietVanoise Alpen
TourentypSkitour
HM aufwärts1008
HM Abstieg3188
Distanz km30.52
VerhältnisseWenig Schnee im Gebiet. Meist vom Wind hart gefegte Flächen oder "Neige Croutée", d.h. grob strukturierter umgewandelter Schnee
HüttenRefuge du Carro 2759m
Feat. Fototbi_2019-03-29.jpg
Tourenideen
Aufstiegszeit02:30:00
Abstiegszeit05:40:00
SchwierigkeitZS
Wetterschön - wolkenlos
MaterialSkihochtour mit Seil, Eismaterial

volle Distanz: 34698 m
Maximale Höhe: 3503 m
Gesamtanstieg: 2360 m
Gesamtabstieg: -3288 m
Gesamtzeit: 07:21:36
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