Brienzergrat
Brienzergrat BE/LU. Erstes Drittel in Richtung Briefenhöreli. Von vorne: Didi, Suse, Felice, Be, Kuno.

Brienzergrat

Der langersehnte Tag mit einer der schweizweit schönsten Wanderungen begann genauso wie erhofft: mit einem Sonnenaufgang auf dem Brienzer Rothorn, der das Schauspiel bot, welches die touristischen Prospekte versprechen. Die Hälfte der Truppe wollte sich das nicht entgehen lassen und bewegte ihre Körper um fünf Uhr früh von der Horizontalen in die Vertikale. Allerdings schnürten nur Didi und ich die Wanderschuhe und stiegen auf den Schongütsch. Derweil Felicitas das Lichtspektakel vom WC-Fenster der Touristenunterkunft auf ihren Fotospeicherchip übertrug. 

Nachdem wir uns für eine Dreiviertelstunde wieder auf die Matratzen gelegt hatten, gab es um sieben Uhr Frühstück. Und dieses war nach dem Sonnenaufgang bereits das zweite Highlight des Tages. So ein Buffet findet sich wohl nicht einmal im Hotel Palace zu Luzern! Nur schade bin ich so früh am Morgen jeweils kaum hungrig. Aber die Gumpeselwurst und den Steinbockkäse liess ich mir nicht entgehen! Kulinarisch und optisch solcherart gestärkt ging es dann um acht Uhr mit Wandern los. Zweieinhalb Liter Flüssigkeit und einige Übernachtungsutensilien liessen den Rucksack für eine Wandertour ordentlich schwer sein. Aber weil die nächsten neun Stunden kein Wasser nachgefüllt werden konnte, war dies in Kauf zu nehmen. 

Eine gute halbe Stunde führt der Weg rotweiss markiert Richtung Chruterenpass. Dabei ist der steile Abstieg durch das sogenannte Lattgässli zu überwinden, welcher mittlerweile dank Treppe gut ausgebaut ist. Dann verlässt man die markierten und ausgeschilderten Wanderrouten und begibt sich auf die Gratschneide des Brienzergrates, welche von nun an akribisch verfolgt wird. Orientierungsprobleme ergeben sich absolut keine, weil der Pfad immer zuoberst auf dem Grat verläuft und nie Umwege über Couloirs oder Flanken macht. Sage und schreibe zwölf Gipfel sammelt man auf der neunstündigen Tour! Die Zahl verschiedener Alpenblumenspezies zählten wir bald nicht mehr mit: es sind der Arten einfach zu viele! Alpenklee in allen Formen und Farben, verschiedene Enziane, Orchideenarten wie Knabenkraut oder Handwurz, Teufelskrallen, Margrithen, Disteln, Alpenrosen undsoweiter säumten jeden Meter des Weges. Dabei durfte diese Blütenpracht bloss beim Anhalten betrachtet werden: der Weg war an vielen Stellen so schmal und ausgesetzt, dass nur mit Konzentration ein Stolpern oder sogar Absturz ausgeschlossen werden konnte. 

Das Tannhorn nach ungefähr einem Drittel der Wegstrecke war wie auf diversen Tourenbeschreibungen vermerkt die Schlüsselpassage. Dieser Gipfel ist sowohl im Auf- wie im Abstieg derart steil, dass nebst Schwindelfreiheit auch Trittsicherheit gefragt war. Die mitgeführten Skistöcke waren nicht nur Balancierhilfe, sondern besonders in den Abstiegen willkommene und sicherheitvermittlende Utensilien. Auch nach dem Tannhorn ging es luftig weiter, wobei die etwas gemütlicheren Stellen häufiger wurden. Erst nach dem Abstieg vom letzten Gipfel, dem Suggiture, kann man entspannen und gefahrlos wandern.

Die Wegweiser veranschlagten zweieinhalb Stunden vom Augstmatthorn bis nach Harderkulm. Wir nahmen an, dass dies für langsame Berggänger gerechnet wäre und meinten, diese Zeit locker halbieren zu können. Das war leider eine gründliche Falschannahme! Auch bei zügigem Abwärtsgehen braucht man weit über zwei Stunden für diese Strecke. Ohne Brienzergrat in den Knochen wäre dies ja kein Problem, aber so sehnten wir die Terrasse des Restaurants richtiggehend herbei. Die trockenen Kleider, die Sennenrösti, das Weissbier und das Eiscafé waren redlich verdient. Die Stimmung unter uns war natürlich hervorragend und der Stolz über die unfallfrei absolvierte und sehr lange Tour sicher nicht unberechtigt. 

Fast hätte uns die verspätete Standseilbahn nach Interlaken hinunter noch den Zug nach Luzern verpassen lassen. Aber mit einem kleinen Zwischenspurt konnte auch diese letzte Herausforderung des Tages gelöst werden. Zufrieden und glücklich verabschiedeten wir uns um 22 Uhr im Bahnhof Luzern voneinander und waren uns einig, dass das ein einmalig schönes Weekend war. 

Id2746
Datum08.07.2018
TourBrienzergrat
Ziel erreichtJa
RouteBrienzer Rothorn - Lattgässli - Briefenhorn - Tannhorn - Augstmatthorn - Harderkulm (insgesamt 12 Gipfel auf dem gesamten Brienzergrat)
GipfelÄllgäuhorn 2047m; Augstmatthorn 2137m; Balmi 2141m; Blasenhubel 1965m; Briefengrat 2102m; Briefenhorn 2165m; Gummhorn 2040m; Schnierenhörnli 2069m; Schongütsch 2320m; Suggiture 2085m; Tannhorn 2221m; Wytlouwihoren 2016m
BegleiterBé, Didi, Felice, Kuno, Suse
GebietBerner Oberland
TourentypWanderung
HM aufwärts1332
HM Abstieg2245
Distanz km22.80
VerhältnisseWunderbare Sommerwanderverhältnisse. Trocken, nicht zu heiss, angenehm kühle Bise. Alles schneefrei. Absolut ideal für diese einmalige Tour.
Hütten
Feat. Fototbi_2018-07-08.jpg
TourenideenHohgant Überschreitung von Bumbach nach Habkern
Aufstiegszeit06:00:00
Abstiegszeit03:20:00
SchwierigkeitT5
Wetterschön - leicht bewölkt
MaterialWanderung leicht

volle Distanz: 21767 m
Maximale Höhe: 2319 m
Gesamtanstieg: 1544 m
Gesamtabstieg: -2379 m
Gesamtzeit: 12:25:13
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