Bishorn

Bishorn

Mit der aus deutschen Nachbarlanden stammenden Hüttenwartin wurde die Morgenessenszeit 4:30 Uhr vereinbart. Für meine Verhältnisse hatte ich sehr gut geschlafen, üblicherweise machen mir erste Nächte in SAC-Hütten mehr Mühe. Das lag sicher auch am Bergführerzimmer mit seinen kuscheligen Duvets, das uns drei exklusiv zur Verfügung stand. Wir mussten alle sieben Sachen packen und mitnehmen, planten wir doch, am Nachmittag nicht nochmals einen Gegenanstieg zur Hütte unternehmen zu müssen. Wie immer brachte ich zu so früher Stunde kaum einen Morgenessensbissen hinunter, aber erfahrungsgemäss würde sich das nicht auf die vorhandene Tourenenergie auswirken.

Den ersten Teil des Aufstiegs kannten wir vom gestrigen Tag, nur dass es heute fast noch dunkel war. Während Beni und Mäde bereits mit Steigeisen von der Hütte weggingen, montierte ich meine wie gestern unterhalb des Couloirs. Mit beiden Techniken war man gleich schnell, sodass der Aufstieg oberhalb des Gässi mit Fellen zügig und gemeinsam fortgesetzt werden konnte. Leider weist der Zustieg zur Tracuithütte bzw. zum Bishorn von dieser Seite her eine Zwischenabfahrt auf, die beim Rückweg logischerweise zu einem Gegenanstieg werden würde. Man muss fast 200 Höhenmeter vernichten. Meine Anweisung an die Freunde, dies besser ohne Felle zu tun, erwies sich als richtig. Per Schussfahrt konnten wir diese Strecke heute Morgen lässig hinter uns bringen. Nun waren wir auf dem stark zerrissenen Turtmanngletscher. Er bildet auf ca. 2900 Meter ein Plateau. Dieses muss man queren, damit man auf der Gegenseite über die sogenannte Tierwang hochsteigen kann. So lassen sich die Spaltenzonen umgehen und der Aufstieg ist relativ gefahrlos.

Die Tracuithütte war schon in Sicht, als wir nach gut 2½ Stunden eine Pause einlegten. Bis hierher waren wir flott vorangekommen! Nun waren wir aber oberhalb der 3000-Meter Marke, gingen angeseilt und spurten sogar ein kilometerlanges Stück, was zu einer Temporeduktion führte. Für den Rest des Aufstiegs zum Bishorn brauchten wir noch vier Stunden, obwohl der Gipfel immer zum Greifen nahe und die zu bewältigende Höhe gering schien. Auf dem Gipfel oben hat man dann über 1800 Höhenmeter hinter sich und die dünne Luft lässt keine Sprints mehr zu. Das war aber auch nicht nötig: wir hatten den Aufstieg in mehr als anständigen 6½ Stunden hinter uns gebracht und standen um zehn vor zwölf auf dem Gipfel. Benis Pumpe liess keine vollen Füllungen mehr zu, sodass er sie mit einem Asthmaspray unterstützen musste. Mäde hatte sich hingegen sehr gut von der gestrigen Parforce-Leistung erholt. Er konnte den sagenhaften Anblick des Weisshorns von hier oben ebenso geniessen wie die übrige tolle Rundsicht. Erstaunt stellten wir fest, dass im Süden schlechtes Wetter herrschte, während wir fast Windstille und eine schöne Wärme genossen. 

Auf der langen Abfahrt zurück ins Sänntum (Turtmanntal) trafen wir fast alle Schneesorten an, die man im Frühling bei diesem Höhenunterschied von 2500 Metern erwarten kann. Oben herrschten pistenähnliche Hartschneeverhältnisse, dann folgte ein Stück mit Windgangeln. Nach einem kurzen Deckel-Intermezzo gab es einen Hang mit leichtem Pulver, gefolgt von schwerem, aber gut fahrbahrem Tiefschnee. Nach der schon eingangs erwähnten Gegensteigung folgten dann noch alle Arten von Frühlingsschnee, bevor wir über Lawinenreste und kurze apere Stellen wieder beim Auto anlangten. Auch temperaturmässig war es ein Wechselbad, mal brannte es heiss auf den Gletscher, mal wehte ein kühles Lüftchen. 

Nach zehneinhalb Stunden schnallten wir um viertel vor vier Uhr die Ski ab, wuschen sie nebst den Füssen in der Turtmänna und konnten uns zu sehr gelungenen, erlebnis- und energiereichen Touren gratulieren.

Dass Geburtstagsgeschenke so streng sein können ahnte vor diesen Tagen keiner der beteiligten Protagonisten.

Id2643
Datum07.05.2016
TourBishorn
Ziel erreichtJa
RouteTurtmannhütte - Gässi - Brunegggletscher - Adlerflüe - Turtmanngletscher - Bishorn. Gleicher Weg zurück via Bruneggbach und Turtmannsee zum Auto im Sänntum.
GipfelBishorn 4153m
BegleiterBeni, Mäde
GebietWalliser Alpen
TourentypSkitour
HM aufwärts2002
HM Abstieg2605
Distanz km23.80
VerhältnisseInsgesamt gute Hochtourenverhältnisse. Turtmanngletscher ab ca. 3300 windgeprägt, fast pistenähnlich. Weicher Schnee in der Abfahrt, aber durchaus gut zu fahren.
HüttenCabane de Tracuit 3256m; Turtmannhütte 2519m
Feat. FotoSAM_0708.JPG
TourenideenSchulter am Weisshorn über den Col de Milon (von Zinal)
Aufstiegszeit06:30:00
Abstiegszeit02:55:00
SchwierigkeitZS
Wetterschön - leicht bewölkt
MaterialSkihochtour mit Seil, Eismaterial

volle Distanz: 24557 m
Maximale Höhe: 4124 m
Gesamtanstieg: 2154 m
Gesamtabstieg: -2737 m
Gesamtzeit: 10:25:53
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