Bärenhorn – Wintertürmli

Bärenhorn – Wintertürmli
Beni im Austieg zum Bärenhorn (Juzfad)

Meine Fühler nach Tourenpartnern für diesen Samstag waren schon lange ausgestreckt: immerhin lockten Prachtswetter und gute Tourenverhältnisse. Irgendwie wurde ich auch das Gefühl nicht los, dass in diesem Jahr die Skitourensaison schon sehr früh enden würde, denn Schnee lag nur noch so viel wie sonst Mitte Mai. Deshalb hatte ich trotz einer tollen Tourenwoche, die erst vor Wochenfrist auf dem Génépi beendet wurde, etwas Torschlusspanik. Als Tourenziel schlug ich meinen Tourenwochenpartnern den Basòdino von All'Acqua mit Rückkehr über das Marchhorn vor. Anbeissen wollte aber niemand. Entweder seien die Ski schon eingesommert (Didi) oder der Bikesattel versprach längeres Ausschlafen als die Skischuhe (Dani). So fand ich mich bereits mit der Variante biken ab, bevor mich Beni rettete. Ihn traf ich am Vorabend anlässlich der Jenkins Probe mit dem Santa Maria Orchester und dem PH Chor. Erst nach der Probe stellte sich heraus, dass Beni alleine gegangen wäre, hätte ich ihm nichts von meinen Plänen erzählt. Auf den Tourenvorschlag Bärenhorn einigten wir uns dann gemeinsam.  

Nach oberflächlichem und kurzem Schlaf traf ich Beni um sechs Uhr. Da kein Stau vor dem Gotthardloch mehr zu befürchten war, fuhren wir auf die Urner Seite des Sustenpasses. Auch die Berner Seite wäre eine Option gewesen, die Anfahrt dahin aber um einiges länger. Wegen einer verrutschten Kontaktlinse fast einäugig kurvte ich bis zur Brücke über den Gorezmettlenbach hoch. Dort standen schon etliche Fahrzeuge anderer Tourenfahrer, was ein Indiz dafür war, dass der knappen Schneelage wegen schon anfang April nicht mehr viele Tourenziele verfügbar waren. Auch hier mussten wir die Ski 20 Minuten ins Tal hinein tragen, bevor es mit fellen weitergehen konnte. Richtung Juzfad standen danach die Varianten über den Lawinenhang der Rossplangg oder dem Rossbach folgend zur Verfügung. Beides würde in ein Spitzkehrengewusel münden, das war schon von unten sichtbar. Ich entschied mich für die Bachvariante, was die Option offen liess, nach dem Bachbett Richtung Chüefad abzuzweigen und direkt Richtung Bärenhorn aufzusteigen. 

Diese Option nahm ich nach kurzer Diskussion mit Beni wahr und hielt auf den unangenehmen Quergang zu, der den Zugangsschlüssel zum Chüefadfirn bildet. Unangenhem deshalb, weil ein Abrutscher fatal wäre. Harscheisen und griffiger Schnee machten die Aufgabe aber bewältigbar und schon bald konnten wir an einem sonnigen Plätzchen eine Pause einlegen. Das Wetter war mehr als prächtig und die Bläue des Himmels schien fast unwirklich. Die Suche nach einer Wolke am Himmel sollte den ganzen Tag über erfolglos bleiben. Was will das Tourenfahrerherz mehr? 

Im oberen Teil führte die Route durch mässig steile Hänge und eine perfekt präparierte Schneeoberfläche, welche schon beim Aufstieg Abfahrtsgenüsse versprach. Ohne viel Federlesens wurde der höchste Punkt erreicht. Das Gipfelmeer war einmal mehr beeindruckend. Für den Weiterweg gab es im Prinzip zwei Varianten: die Abfahrt der Aufstiegsspur entlang oder der Übergang zum Wintertürmli. Beni wählte die zweite, ich eine Kombination der beiden. Ich fuhr also die obersten 300 Höhenmeter ab (nicht ohne das Echo auf Freudenjuze von den Felswänden zu testen) und fellte dann wieder hoch Richtung Wintertürmli. Den Besteigungsversuch durch das Couloir brach ich aber auf halber Höhe ab, weil ich das nicht ohne Steigeisen und Pickel wagen wollte. 

Nun genossen Beni und ich den weiteren Verlauf des Tages gemeinsam: zuerst die fabelhafte Abfahrt durch 1a-Sulz, dann das Panaché in der Besenbeiz zu Meien und last but not least unser abendliches Konzert im Maihof mit dem Santa, welches vor ausverkauftem Haus und einem mitreissenden Werk bei bester Stimmung stattfand. Unsere sonnenleuchtenden Köpfe hätten beinahe das Bühnenlicht überflüssig gemacht, derart strahlten wir um die Wette. 

Id2685
Datum08.04.2017
TourBärenhorn - Wintertürmli
Ziel erreichtJa
RouteGorezmettlenbrücke Sustenpassstrasse - Wyssgand - Rotgand - Juzfad - Chüefadfirn - Bärenhorn - Wintertürmli am Klein Spannort. Abfahrt über Rossfirn - Juzfad - Rossplangg zurück zum Ausgangspunkt.
GipfelBärenhorn UR 2931m; Wintertürmli am Kl. Spannort 3003m
BegleiterBeni
GebietZentralschweiz
TourentypSkitour
HM aufwärts1650
HM Abstieg1650
Distanz km16.76
VerhältnisseHart gefroren, etwas mühsame Lawinenreste in der Chlialp. Insgesamt aber griffig im Aufstieg und herrlich sulzig in der Abfahrt. Top.
Hütten
Feat. FotoDSC03331.JPG
TourenideenTrilogie Bächenstock - Zwächten - Gross Spannort und Wintertürmli
Aufstiegszeit03:45:00
Abstiegszeit01:00:00
SchwierigkeitZS
Wetterschön - wolkenlos
MaterialSkitour normal

volle Distanz: 15367 m
Maximale Höhe: 2934 m
Gesamtanstieg: 1745 m
Gesamtabstieg: -1747 m
Gesamtzeit: 06:02:38
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