Aiguille d’Argentière

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Aiguille d’Argentière
Kurz vor dem Gipfel der Aiguille d'Argentière. Dani. Hinten sieht man die Courtes und die Droites sowie die Aiguille de Triolet. 28.3.2017

Nach der gestrigen Erkundungstour im Gebiet war einigermassen klar, wo es für den weiteren Wochenverlauf gute Touren gab und die Verhältnisse in Ordnung waren. Um letztere würde man sich keine Sorgen machen müssen: weder herrschte Lawinengefahr noch gab es Hänge mit schlechtem Schnee. Höchstens die Schneegrenze, die an den Südhängen schon bei rund 2000 Metern lag, schränkte die Möglichkeiten etwas ein. Dani und Minu plädierten sofort für die rassigste Tour der Woche: die Aiguille d'Argentière. Diese war dank der Bahnen von Argentière Richtung Aiguille Verte als Tagestour machbar und versprach skialpintechnisch einen Leckerbissen. Wir anderen liessen uns von Dani und Minu überzeugen und präparierten die Utensilien für eine hochalpine Unternehmung. 

Das Spezielle an den Touren in dieser Woche waren die relativ späten Starts. Man konnte in aller Gemütlichkeit vom hervorragenden Morgenbuffet von Helen schlemmen und musste jeweils erst nach sieben Uhr losziehen. Für Frühlingsskitouren reichlich spät. Aber weil die Grand Montets Bahn erst um 8:30 Uhr zum ersten Mal fuhr, war ein früherer Start unnötig. Kurz nach acht montierten wir auf dem Parkplatz unsere Anseilgurte und reihten uns in der bereits vorhandenen Warteschlange ein. Verblüfft stellten wir fest, dass der berühmte Ueli Steck heute dieselbe Seilbahn ins Auge gefasst hatte. Minu wechselte ein paar Gedanken mit ihm. Er peilte mit seinem Partner das Couturier Couloir in der Nordwand der Aiguille Verte an. Unglaublich mit wie wenig Gepäck dieser Alpensprinter unterwegs war. Da staunten alle nicht schlecht!

Die Grand Montets Bahn katapultiert einem buchstäblich in ein alpines Wunderland. Welche Nähe zur viel bewunderten Aiguille Verte und natürlich auch zum Mont Blanc! Einfach phantastisch. Als erstes folgte sogleich eine Abfahrt zum Argentière Gletscher runter, welche durch Séracs und über Spalten des Glacier des Rognons führt. Es ging alles glatt, aber staunen taten wir alle beim Fahren durch diese Gletscherwelten. Es war schon zehn Uhr, als wir endlich am anderen Ufer des Argentière Gletschers waren und unseren Aufstieg begannen. Trotz der Alpinistenmassen, welche auf der Bahn waren, war die Zahl der Aiguille d'Argentière Aspiranten überschaubar. Hatte die Tour von der Bergstation drüben noch furchteinflössend steil ausgesehen, so waren die ersten Hänge angenehm zum Gehen. Erst nach einer Pause auf dem Glacier du Milieu sah man die Gipfelwand der Aiguille, welche mit 45° an der steilsten Stelle doch respekterheischend ist. Da aber einige Vorsteiger eine wunderbare Fussspur in den Hang gelegt hatten, waren diese 400 Höhenmeter perfekt zum Steigen. Dies allerdings die Ski tragend und mit Steigeisen an den Füssen. Vom Gipfelgrat auf den Gipfel war es nur noch ein kurzes Stück, weshalb wir schon bald glücklich vereint vom höchsten Punkt auf 3900 Metern grüssten. Nun wurde gerastet, fotografiert und abermals gestaunt. Was für eine Arena hier oben! Einfach sagenhaft. Wir liessen uns ausreichend Zeit, bevor wir besagten Steilhang in der Abfahrt unter die Latten legten. Dank des griffigen Schnees und unserer Fahrkünste bewältigten wir heute die Steilheit besser als gestern. Eine noch aufsteigende Deutsche Gängerin kriegte ein tüchtiges Bombardement von losgelöstem Schnee ab, weil wir sechs Abfahrenden einiges an Schneeplatten lösten. Unser Erbarmen war aber nur mässig, weil man einfach nicht mehr so spät auf einen solchen Gipfel steigt. 

Nach dem Steilhang war das Abfahrtsvergnügen weiterhin gross: im schön aufgeweichten "al dente" Schnee liessen sich die Höhenmeter mühelos und mit Genuss vernichten. Ein schönes Couloir verleitete uns zur Direktabfahrt auf den Argentière Gletscher runter. Dies ging beinahe schief, hätte Minu nicht mirkulös einen fahrbaren Durchschlupf durch das Moränenlabyrinth gefunden. Der Rest war nur noch Zugabe. Schon bald erreichten wir die Pisten des Grand Montets Gebietes und fuhren durch den "Neige Bosselée" (Schild auf der Mittelstation, bedeutet "verbeulter Schnee") bis nach Argentière runter. Unseren Durst löschten wir gleich an der Talstation und fuhren hochzufrieden über den Col des Montets ins Guesthouse zurück.  

Abendessen: Restaurant "214" in Argentière. Ausgezeichnete lokale Küche, sehr guter Tipp von Helen.

Id2680
Datum28.03.2017
TourAiguille d'Argentière
Ziel erreichtJa
RouteGrand Montets Bergstation - Glacier d'Argentière - Refuge d'Argentière - Glacier du Milieu - Aiguille d'Argentière. Zurück auf gleichem Weg mit Abfahrt über die Skipisten nach Argentière.
GipfelAiguille d'Argentière 3900m
BegleiterMinu, Dani, Didi, Jürg, Kuno
GebietMont Blanc Region
TourentypSkitour
HM aufwärts1264
HM Abstieg3269
Distanz km25.43
VerhältnisseIdeal für diese Tour, aber wenig Schnee. Guter Trittschnee im Gipfelhang, Pulver und Sulz in der Abfahrt. Piste mit "Neige bosselée"
Hütten
Feat. Fototbi_2017-03-28.jpg
Tourenideen
Aufstiegszeit04:10:00
Abstiegszeit02:00:00
SchwierigkeitS
Wetterschön - leicht bewölkt
MaterialSkihochtour mit Seil, Eismaterial

volle Distanz: 22582 m
Maximale Höhe: 3888 m
Gesamtanstieg: 1329 m
Gesamtabstieg: -3335 m
Gesamtzeit: 06:37:12
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