Äbeni Flue und Mittaghorn

Äbeni Flue und Mittaghorn
Armin auf dem Äbeni Flue-Firn

Nach einer für meine Verhältnisse in SAC Hütten ungewöhnlich guten Nacht weckte Didi um viertel vor fünf. Wir wählten die frühe Zeit nicht nur des Schnees auf der Abfahrt wegen, sondern weil wir heute neben dem Mittaghorn auch der Äbeni Fluh einen Besuch abstatten wollten. Das Wetter zeigte sich nicht von der besten Seite: ein bedeckter Himmel liess befürchten, dass die Skiverhältnisse heute nicht so gut wie gestern sein würden. Trotzdem standen wir natürlich auf, frühstückten kurz und versetzten die Hütte wieder in einen tadellosen Zustand. Den Schlüssel versteckten wir wieder am alten Ort. Eine Stunde später waren wir startklar und liefen auf gut gefrorenem Firn unserem ersten Ziel entgegen. Es war ein ausnehmend schöner Morgen auf dem Äbeni Flue Firn. Die Fotos zeugen davon und der gemütliche Aufstieg liess ausgiebiges Motivsuchen zu. Nur schade hatte der Akku meiner Sony-Kamera den Geist aufgegeben. Aber heutzutage hat man ja in Form des Handys Ersatz dabei, sodass fleissig weiter geknipst werden konnte. Von Hollandia ist es ein relativ kurzer und einfacher Aufstieg auf die Äbeni Flue. So waren wir schon vor acht Uhr auf dem höchsten Punkt, der immerhin fast 4000 Meter hoch ist. Ein Wolkengebräu um uns herum verdeckte zeitweise die Gipfel, aber zwischendurch erhaschten wir immer wieder prächtige Blicke auf unsere gestrige Besteigung, die Jungfrau. Auch Interlaken im Tal unten erkannte man gut. Aber die Behauptung von Didi, man sähe das Auspuffrohr an seinem Auto auf dem Parkplatz tropfen, war dann doch etwas übertrieben. 

Man weilte nicht lange auf dem Gipfel, sondern nahm die Abfahrt bei natürlich immer noch hartem Schnee rasch einmal unter die Ski. Im guten Morgenlicht war das einfach und durchaus genussvoll. Per Schussfahrt ging es an den Fuss des Mittaghorns. Kleidermässig konnte jetzt wieder auf Sommerbetrieb umgestellt werden. Der Restaufstieg aufs Mittaghorn nahm zirka eine Stunde in Anspruch. Dabei konnte nur im unteren Teil gefellt werden. Der längere Abschnitt führt den Südgrat hoch, unten felsig und oben firnig. Bald mussten die Steigeisen montiert und die Ski auf den Rucksack gebunden werden. Leider verdeckte eine dichte hohe Wolke die Sonne langsam aber sicher vollends. Dieser Anstieg war gut zu machen und ist ausserordentlich lohnend. Auf dem Gipfel konnte sofort auf Abfahrt umgerüstet und Felle, Steigeisen und Pickel im Rucksack verstaut werden. 

Die Abfahrt vom Mittaghorn ins Lötschental ist eindrücklich. Nach dem Gipfelsteilhang durchquert man einen imposanten Gletscherabbruch und quert zum Grosshorn hinüber. Zwei Fussabsteiger vom Grosshorn verdienten unser Mittleid, weil sie tief im Glubscher stecken blieben. Mit unseren Ski war der Abstieg aber genussvoll, obschon im unteren Teil die Wasserrillen von den vielen Gewittern der Vortage eine Rumpelfahrt zur Folge hatten. Auf der Terrasse der noch geschlossenen Anenhütte gab es Picknick und die Erleichterung von überflüssigen Anseilgurten, Jacken und Handschuhen. Die Restabfahrt bis zur Fafleralp war ein Suchen von Schnee, wobei eine halbe Stunde vor Erreichen des Parkplatzes die Sucherei zwecklos wurde. Mit einer halben Stunde Ski tragen waren wir aber gut bedient. Taxi, Postauto, Regionalzug, Intercity und Auto waren die Heimreisetransportmittel. Dieser Journey war fast so lange wie die heutige Tour. Aber das nahmen wir nach diesen tollen zwei Tagen in den Berner Alpen gerne in Kauf!

Id2741
Datum03.06.2018
TourÄbeni Flue und Mittaghorn
Ziel erreichtJa
RouteHollandiahütte - Äbeni Flue-Firn - Äbeni Flue - Mittaghorn - Anungletscher - Anenhütte - Langgletscher - Fafleralp
GipfelÄbeni Flue 3962m; Mittaghorn 3897m
BegleiterMinu, Didi
GebietBerner Oberland
TourentypSkitour
HM aufwärts1068
HM Abstieg2496
Distanz km24.21
VerhältnisseKeine klare Nacht, trotzdem oberhalb der Hollandia gut gefrorener Firn. Aufstiegsverhältnisse einwandfrei. Abfahrt oben gut, unten relativ weich und Regenrinnen. Alles gut fahrbar.
HüttenAnenhütte 2358m; Hollandiahütte 3238m
Feat. Fototbi_2018-06-03.jpg
Tourenideen
Aufstiegszeit03:55:00
Abstiegszeit03:00:00
SchwierigkeitZS
Wetterwechselhaft
MaterialSkihochtour mit Seil, Eismaterial

volle Distanz: 22561 m
Maximale Höhe: 3940 m
Gesamtanstieg: 1146 m
Gesamtabstieg: -2574 m
Gesamtzeit: 06:50:39
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